M. J. Hyland: Schlaflos
„Schlaflos“ von M. J. Hyland ist eine scharfsinnige, intelligente Erzählung übers Erwachsen werden.
Die 16-jährige hoch begabte Australierin Lou Conners stammt aus einer
heruntergekommenen Hochhaussiedlung bei Sydney. Um ihrer Proll-Familie und
den dortigen Bedingungen zu entfliehen, bewirbt sie sich um einen einjährigen
Gastaufenthalt in den USA. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten möchte
sie ein neues Leben beginnen. Und es scheint, als ob der neue Anfang tatsächlich
gelingt. Die Gastfamilie in einem reichen Chicagoer Vorort nimmt sie mit
offenen Armen auf. Doch mit schnellen Schritten holt Lou ihre Vergangenheit
ein. Sie ist nicht fähig, sich an die Regeln der gutbürgerlichen Hardings
zu halten. Und als auch noch der 14-jährige Sohn der Familie ihr anzügliche
Angebote macht, brennen bei ihr einige Sicherungen durch.
My Hylands Erstlingsroman
ist die einfühlsame Geschichte einer jungen Frau, die aus sehr kruden Verhältnissen
stammt und ihre naiven Vorstellungen vom perfekten Zuhause in ihrer amerikanischen
Gastfamilie zu erfüllen sucht. Aber auf Lous ernste Probleme reagieren die
Gasteltern zwar mit anderen Mitteln, aber letztlich genauso hilflos wie
ihre eigenen. Verbote und oberflächliche Verdrängung sind die Antworten
auf Lous permanente Schlaflosigkeit, auf ihre Alkoholeskapaden und ihre
gelegentlichen Drogentrips.
„Schlaflos“ ist eine scharfsinnige, intelligente
Erzählung übers Erwachsen werden. Und sie ist eine mit herrlich schwarzem
Humor ausgestattete Studie über menschliches Streben nach Glück, über Selbst-Sabotage
und das Gefühl des Fremdseins. Mit Lou Conners hat die Autorin eine wunderbare
Heldin erschaffen, die den Leser durch ihre Verwundbarkeit, ihre Naivität
und ihr Anderssein fasziniert.
M.J. Hyland wurde 1968 als Tochter irischer
Eltern in London geboren und wuchs in sehr schwierigen Verhältnissen auf.
Nach verschiedenen Stationen in Australien, Irland und England lebt sie
heute als freie Autorin in Melbourne, Australien und schreibt an ihrem zweiten
Roman.
Rezension von Silke Schröder
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