Zadie Smith: Von der Schönheit
Zadie Smith ist mit Von der Schönheit eine ebenso ironische wie stilvolle Familiensaga und ein moderner Gesellschaftsroman gelungen
gelesen von Jasmin Tabatabai
Ein Jahr in einer amerikanischen Akademiker-Familie in der Universitätsstadt
Wellington bei Boston. Es treten auf: Howard Belsey, ein aus England stammender,
alt-liberaler Kunstprofessor, seine schwarze Frau Kiki und die drei Kinder,
alle im Teeny-Alter und mit ihren persönlichen Problemen beschäftigt -
Jerome, der fundamentalistische Christ, Zora, die Intellektuelle und der
kleine Levi, der stets wie ein rappender, unterdrückter Brother daherkommt.
Howards liebster Feind ist der neo-konservative, aus der Karibik stammende
Professor Kipp, der zufällig genau den gleichen Studien-Schwerpunkt hat,
nämlich das Leben und Werk Rembrandts. Dass dieser Kipp an der gleichen
Uni einen Lehrauftrag erhält und mit seiner Familie nach Wellington zieht,
kann Howard natürlich nur als blanke Provokation verstehen. Doch im Gegensatz
zu den Männern vertragen sich die Ehefrauen blendend und auch Kipps Tochter
Victoria findet Gefallen an den Belsey-Männern. So kommt es zu immer neuen,
dramatischen Verwicklungen beider Familien.
Zadie Smith ist mit ihrem
neuen Roman eine ebenso ironische wie stilvolle Familiensaga gelungen
- ein moderner Gesellschaftsroman im besten Sinne des Wortes.
Immer mit
einem Augenzwinkern beschreibt sie das Leben im intellektuellen Universitätsmilieu:
Die pubertierenden Professoren Ende 50, die liebestollen Töchter streng
konservativer Eltern, das Streben nach Erfolg, Anerkennung und dem Platz
im Leben und, natürlich, die Liebe und den Sex. Sie nimmt die Doppelmoral
der Konservativen ebenso unter Lupe wie die der Liberalen, spielt mit
allen Vorurteilen und lässt dabei kein Fettnäpfchen aus.
Ein amüsantes
und kurzweiliges Hörvergnügen grandios erzählt von Jasmin Tabatabai. Die
deutsche Schauspielerin schafft es, sämtlichen Personen der Story Leben
einzuhauchen, sei es im schnoddrigen, intellektuellen, affektierten oder
erzählenden Tonfall. Ein sehr überzeugendes Hörspiel für den feinen Blick
auf die bessere Gesellschaft.
Zadie Smith wurde 1975 im Norden Londons
geboren, wo sie heute noch lebt. Ihr erster Roman »Zähne zeigen«, 2001
erschienen, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, von der Kritik
gelobt und ein internationaler Bestseller. Ihr zweiter Roman »Der Autogrammhändler«
erschien 2003. »On Beauty« war auf der Shortlist des Man Booker Prize
2005.
Rezension von Silke Schröder
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