lesende Gartenzwerge
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Mittwoch, 26. April 2007

© Goldmann Verlag
539 Seiten
Juni 2006
ISBN: 344230704X
Original: Saving Fish
from Drowning
Saving Fish from Drowning

Amy Tan: Der Geist der Madame Chen

Amy Tan beschreibt in DER GEIST DER MADAME CHEN heiter-ironisch den oft naiven Blick der liberalen Westküstler auf die durch Korruption und Menschenrechtsverletzungen gebeutelte Bevölkerung in Burma.

Kurz vor Beginn ihrer lang geplanten Bildungsreise nach Burma stirbt die Kunst- und Antiquitätenhändlerin Bibi Chen aus San Fransisco. Ihre Mitreisenden treten die Reise auch ohne ihre Organisatorin an - die es sich aber nicht nehmen lässt, ihre Freunde als Geist zu begleiten, leider ohne eingreifen zu können.

So stolpern die unwissenden Amerikaner von einem kulturellen Fettnäpfchen zum nächsten, entwürdigen einen heiligen Schrein und essen in pseudo-folkloristischen Restaurants, immer auf der Suche nach der Authentizität des Landes und seiner Menschen. Die finden sie dann auch in Gestalt eines von der Militärregierung verfolgten Bergstammes, der in den Amerikanern die weisen Erlöser sieht und sie mit einem billigen Trick in den Dschungel entführt.

In unaufgeregtem Ton erzählt Amy Tan von den Verhältnissen in Burma unter der Militärregierung. Dabei moralisiert sie nicht, sondern lässt die Amerikaner die Kultur, Politik und Mentalität des Landes spüren und erleben. Sie beschreibt heiter-ironisch den oft naiven Blick der liberalen Westküstler auf die durch Korruption und Menschenrechtsverletzungen gebeutelte Bevölkerung. Dabei vergisst sie aber nicht die Schönheit des Landes und die Herzlichkeit der Menschen. Auch wenn Amy Tan zum Ende etwas dick aufträgt, ist ihr neuer Roman ein Erlebnis und weit mehr als nur ein Reisebericht aus dem fernen Asien.

Amy Tan wurde 1952 als Tochter chinesischer Auswanderer in Oakland, Kalifornien, geboren. Ihr Vater und ihr Bruder starben, als sie 15 Jahre alt war. Ihre Mutter, Tochter einer wohlhabenden Familie in Shanghai, hatte drei Töchter aus erster Ehe in China zurücklassen müssen, als sie nach Amerika ging. Amy Tan gehört zu den erfolgreichsten amerikanischen Schriftstellerinnen. Sie lebt heute mit ihrem Mann in San Francisco und New York.

Rezension von Silke Schröder



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