Markus Zusak: Die Bücherdiebin
Die Bücherdiebin von Markus Zusak ist eine eindringliche Aufarbeitung deutscher Geschichte
Nazi-Deutschland Ende der 30iger Jahre. Die kleine Liesel Meminger wird zu Pflegeeltern nach Molching in der Nähe von München gebracht. Ihr kommunistischer Vater sitzt längst im KZ, ihre Mutter ist ständig krank. Auf dem Weg dorthin stirbt ihr kleiner Bruder und während seiner Beerdigung stiehlt sie ihr erstes Buch: „Anleitung für Totengräber“.
In der Schule hat sie anfänglich große Schwierigkeiten, doch ihr Pflegepapa Hans Hubermann bringt ihr nach und nach das Schreiben und Lesen bei. Die Familie ist arm, denn Anstreicher Hans gilt als Querulant und Judenfreund und bekommt kaum Aufträge. Pflegemama Rosa bügelt die Wäsche fremder Leute und verdient ein paar Groschen. Als eines Abends Max Vandenburg auftaucht, der Sohn eines jüdischen Freundes aus dem Ersten Weltkrieg, beginnt für die Hubermanns eine gefährliche Zeit. Max wird im Keller versteckt. Langsam entwickelt sich zwischen ihm und Liesel eine enge Freundschaft, denn beide lieben Bücher und Geschichten. Doch dann beginnt die Bombardierung und die Situation wird immer schwieriger.
Markus Zusak ist mit der Bücherdiebin ein faszinierender wie einfühlsamer Roman
über Menschen in Nazi-Deutschland gelungen. Das Buch berührt, denn es zeigt schnörkellos
die Grauen des Zweiten Weltkriegs, aber auch die Herzlichkeit und die Hilfsbereitschaft
der Menschen untereinander.
Und die Kraft, die Bücher haben, um Menschen in scheinbar aussichtslosen Situationen
immer wieder in eine bessere Welt zu entführen.
Der australische Autor mit deutsch-österreichischen Wurzeln verarbeitet in dem Roman Teile seiner eigenen Familiengeschichte – und verliert dabei trotz des ernsten Themas nicht seinen Humor, denn schließlich ist der Ich-Erzähler kein geringerer als Gevatter Tod selbst. Dass dem die kleine Liesel immer wieder von der Klinge springt, liegt auch daran, dass er eine Schwäche für Bücher lesende Menschen hat.
Eine eindringliche Aufarbeitung deutscher Geschichte auf einer sehr persönlichen Ebene, die durch die außergewöhnliche Aufmachung des Buches mit seinen Zwischenbemerkungen und Illustrationen noch unterstrichen wird. Wirklich empfehlenswert für Erwachsene und Jugendliche.
Markus Zusak, geboren am 23. Juni 1975 in Sydney, ist ein deutsch-australischer Schriftsteller. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Österreicher. Die Erzählungen seiner Eltern über die Bombenangriffe auf München und die Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg dienten ihm als Vorlage für den Roman Die Bücherdiebin (The Book Thief). Zusak lebt zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter in Sydney.
Rezension von Silke Schröder
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